Der Tiefe Weisheit – Die Ankunft

Posted in Der Tiefe Weisheit with tags , on 04/07/2015 by elchfarmer

Einer dieser Abende also, dachte er sich. Norddeutschland war wirklich nur etwas für Menschen, die hier geboren wurden oder für Masochisten. Wie konnte man bei diesem Wetter fröhlich und glücklich sein? Immer wehte ein Wind, meistens regnete es und wenn doch mal die Sonne schien, war es so schwül, dass es niemand aushielt.
Es nützte nichts, sein Auftrag führte ihn nun einmal hierher und je schneller er die Aufgabe löste, desto schneller konnte er zurück.
Er zog seinen Schal etwas fester und betrat den Eingang zum Tunnel. Auf Grund seines Alters und der Toten, die bei seinem Bau gestorben waren, war der Tunnel der beste Weg ungesehen in die Stadt zu gelangen. Natürlich bewachten die Autoritäten der Stadt den Tunnel, aber er hatte vorsorglich den Schichtwechsel in der Werft abgewartet, in der Hoffnung in der Masse der Menschen untertauchen zu können. Pünktlich, kurz nach dem Pfeifen zum Schichtwechsel, füllte sich der Tunnel und er mischte sich unter die Werftarbeiter.
Musste dies wirklich sein? Gab es keinen anderen Weg? Ihm wurde fast übel von dem Gestank, den diese Menschen ausströhmten. All ihre Nöte und Hoffnungen lagen deutlich, wie in einem Bild Michelangelos vor ihm – Wie klein und wenig erstrebend die Träume der Menschen doch waren. Kein Eifer, kein Elan. Kein Glaube.
Ein Schauer lief ihm über den Rücken. So wollte er auf keinen Fall Leben. Eine solche Existenz hatte er vor langer Zeit hinter sich gelassen. Er mischte sich zwischen eine Gruppe von Stahlarbeitern und folgte dem Strom auf die andere Seite des Tunnels. Keine 500 Meter war er von der anderen Seite entfernt und doch kam ihm jeder Schritt vor, wie in Treibsand und Zeitlupe. Es ging alles viel zu langsam. Es bedurfte all seiner Konzentration, dass er keinen Schweissausbruch bekam, oder das was ein Aussenstehender dafür halten würde.
Er versuchte sich auf die Sprachfetzen seiner Begleitung zu konzentrieren, als weiter vorne im Tunnel grosses Geschrei aufkam. Eine Horde von Frauen hatte sich am anderen Ende des Tunnels aufgebaut und schien auf die Männer von der Werft zu warten. Ausgerechnet heute hatte es Lohn für die Arbeiter gegeben. Die Frauen versuchten ihre Männer davon abzuhalten ihren Lohn in Alkohol und Amüsement umzusetzen.
Es würde also dauern, bis er aus diesem Tunnel kam. Immerhin, durch den Tumult dürfte seine Ankunft noch weniger bemerkt worden sein.
Während er wartete, dass die Menschen ihren Streit beendeten und es weiterginge, bemerkte er, dass jemand versuchte Kontakt mit ihm aufzunehmen.

Die Kacheln des Tunnels, welche Tiere aus den Tiefen der Elbe darstellen sollten, fingen an zu verschwimmen und sich zu bewegen.
Dies sorgte sofort dafür, dass seine Aufmerksamkeit geweckt wurde. Er konnte nur die nächsten drei Kacheln sehen, aber alle schwammen im selbsten Rythmus, als ob sie lebendig wären. Er konzentrierte sich weiter und hörte zunächst ganz sanft einen Chor, der ein altes Arbeiterlied sang.

Plötzlich stiegen die Stimmen des Chores an und endeten mit einem Crescendo. Eine Stimme erhob sich aus dem Chor und rief ihm direkt zu:
„Besucher aus der alten Zeit, warum versteckst Du dich? Bist Du nicht willens dein wahres Gesicht zu offenbaren und dem Dänenprinz deine Aufwartung zu machen?“ Man hatte ihn also erkannt, dachte er sich. Rein in Gedanken gab er die Antwort, er sei inkognito auf einer Mission von höchster Dringlichkeit hier. Sein Herr duldte keine Verzögerung und diese würde definitiv eintreten, wenn er sich an den Hof begäbe. Während er diese Nachricht übermittelte, fing er sogleich an die Gedanken der Toten neu zu ordnen und sortieren, es durfte kein Hinweis geben, dass er durch den Tunnel in die Stadt gekommen war.
„Erwürdiger, wir verstehen dein Problem, jedoch wurden wir als Wächter für die Andere Seite bestimmt und müssen jeden Versuch eines Zugangs melden.“
Verdammt, dachte er sich. So leicht waren ihre Gedanken nicht zu manipulieren. Die Gedanken waren zunächst einfach zu manipulieren gewesen. Der Däne hatte zwar einen Schutz über die Gedanken der Wächter gelegt, doch dieser Schutz war leicht zu umgehen. Dem Dänen fehlte einfach eine entsprechende Fantasie die Gedanken seiner Diener gegen alle Angriffe zu schützen. Er war schon dabei seine Anwesenheit aus den Gedanken der Wächter zu löschen, als er merkte, dass noch jemand anderes einen sehr starken Schutz über diese Wächter gelegt hatte. Ganz so leicht schien er doch nicht unbemerkt in die Stadt gelangen zu können. Hätte er doch schwimmen sollen?
„Jedoch für dich haben wir besondere Befehle erhalten, die nicht vom Dänen stammen.“
Er war so in die Manipulation der Gedanken dieser Wesen vertieft und der Suche nach anderen Wegen, dass er nicht genau zugehört hatte. Wie ein Befehl, der ihn betraf? Verblüfft fragte er, „und was für ein Befehl wäre dies? Wer kann sich den Wünschen des Dänen entgegenstellen?“
„Die Herrin des Flusses wünscht euch zu sprechen. Und ihr Wunsch ist uns Befehl. Kümmerte sie sich doch um unsere Familien, als wir den Dienst als Wächter in diesem Tunnel antraten. Begebt euch an die Stelle, an der sich zukünftig der Alte Schwede finden wird. Die Herrin sagte, ihr würdet den Ort schon finden.“
Er war sehr verwundert über diese Aussage. Einen Ort zu finden, den es erst in der Zukunft gab, war kein leichtes Unterfangen und bedurfte Fähigkeiten, die nur wenige aufbieten konnten. So stellte die Herrin des Flusses eindeutig sicher, dass nicht jeder Sie aufsuchen konnte. Er würde etwas improvisieren müssen, war sich aber sicher den Ort schnell finden zu können. Er hoffte nur, dass dieser Ort nicht zu weit weg von seinem eigentlichen Ziel läge. Langsam aber sicher ging ihm die Zeit aus.
„Ein Wort der Warnung haben wir noch für euch. Solltet ihr nicht bis Mitternacht bei der Herrin vorgesprochen haben, so werden wir eure Anwesenheit dem Dänenprinzen verkünden und euch als Eindringling enttarnen. Ihr wisst, dass der Dänenprinz keine Einmischung von aussen akzeptiert. Seid also pünktlich.“
„Ich werde rechtzeitig bei der Herrin sein, verlasst euch drauf.“

Diese Verzögerung passte nicht in seinen Plan. Aber gut, er musste zur Alten. Einer solchen Einladung musste selbst er folgen. Es nützte nichts, sein Auftrag musste noch warten. Er konnte nur hoffen, dass die Verzögerung nicht all zu lange werden würde. Schlag fünf Uhr musste er wieder aus der Stadt sein.
Missmutig schlug er den Kragen seines Mantels um. Immerhin hatte sich der Tumult im Tunnel vor ihm aufgelöst. Die meisten Männer hatten sich resigniert ihn ihr Schicksal begeben und ihren Frauen ihren Lohn gegeben. In wenigen Schritten hatte er die Stahlarbeiter eingeholt und stieg mit ihnen die Treppe auf der anderen Seite des Flusses empor.

Advertisements

Neuanfang

Posted in Auf dem Nachttisch, Einer geht noch, grôzer Arebeit with tags , on 24/06/2015 by elchfarmer

Ich weiss gerade nicht, ob ich es wirklich schaffe diesen Blog hier in nächster Zeit wiederzubeleben. Seit also gespannt dort draussen.
Wenn es klappt, wird dieser Blog aber gänzlich anders werden, als bisher.
Ich habe lange überlegt, ob ich dafür die alten Beiträge lösche um auf einem weissen Blatt Papier anzufangen. Aber entgegen des Sprichwortes, was gestrichen ist, kann nicht durchfallen, lasse ich die alten Posts stehen. Schliesslich sind sie ein Teil eines alten Lebens von mir.
Wie weit ich den Blog ansonsten umbaue, werde ich wohl erst im Werden entscheiden. Für das, was ich vorhabe, sollte aber zunächst meine alte Kategorien „grôzer Arebeit“ passend sein. Es bleibt somit in nächster Zeit spannend.

Früchte des Krieges

Posted in Exil, Gute Nacht da draussen with tags , , , , on 04/09/2012 by elchfarmer

Achtung, dies wird ein politisch sicherlich unkorrekter Beitrag, also am besten nicht weiterlesen.

Ich bin gerade durch ein Lied auf diese Phänomen aufmerksam geworden.

Kriege bringen neben Leid und Vernichtung auch immer Innovation und große Werke der Kultur mit sich.

So schrieb Goethe die Wahlverwandtschaften oder Wilhelm Meisters Wanderjahre während der Zeit der Napoleonischen Kriege

Grimmelshausen schuff auf Grund des 30 Jährigen Krieges den Simpel.

Picasso malte Guernica nach dem Angriff der Legion Adler.

Caesar schrieb den Gallischen Krieg.

Nicht zu vergessen die Trümmerliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg.

Und schliesslich Musik, welche während und durch den Vietnamkrieg entstanden ist von Bands, wie Creedence Clearwater Revival mit Fortunate Son, die Stones mit Paint it Black, Dylans All Along the Watchtower oder Black Sabbath mit Paranoid.

Welch ein Kontrast zu den Werken aus der Zeit des Kosovokrieges:
Aqua mit Dr. Jones
oder 3.Generation mit Halt’s Maul.
Literatur immerhin: Follet – Der dritte Zwilling

Irakkrieg:
Outlandish mit Aicha oder Sean Paul mit Get Busy.
Pease – Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken.
Illies – Generation Golf und Rowling Harry P. erster Teil.

Afghanistankrieg:
Lady Gaga – Poker Face
Taylor Swift – You belong with me
Roche mit Feuchtgebiete oder Hirschhausen mit Die Leber wächst mit ihren Aufgaben.

Durchaus bezeichnend, wie verkommen unsere Kultur mittlerweile ist… Meisterwerke, welche die Jahrzehnte überdauern werden sind Fehlanzeige.
Und ich habe extra nicht die ganz fiesen Hits und Bücher rausgesucht, wie Wolle Petry und Co… Die es durchaus in die Charts und Bestsellerlisten geschafft haben.

Das schönste Wort der Welt

Posted in Die kleine Kneipe, Exil with tags , on 24/05/2012 by elchfarmer

Erst wenn man in die Ferne reist, wird man sich der Schönheit der Heimat und ihrer Sprache bewusst.

Das schönste deutsche Wort der Welt, muss verschiedene Eigenschaften besitzen. So sollte man mit ihm zum einen Verführen, zum anderen agrressiv klingen. Freundlichkeit und Zurückhaltung sollte man ebenfalls ausdrücken können. Höflichkeit ist sicherlich auch nicht verkehrt.

Mit keinem anderen Wort kann man dies alles besser ausdrücken als mit dem schönsten Wort der Welt.
Zwar ist es so, dass viel zu viele Menschen dieses einfache Wort falsch verstehen und es umdeuten. Doch das Schöne an diesem Wort ist eben auch, dass sie alle doch nicht ganz falsch liegen.
Meiner Meinung nach ist es ein Wort mit vier Buchstaben. Der geneigte Leser wird hierbei sicherlich, mit dem Gedanken an mich, an BIER denken. Ja, all die vorherigen Beschreibungen passen durchaus zum Wort und zum Gegenstand Bier. Sowohl Bauiwaren, als auch Rheinländer verstehen hier etwas völlig anderes drunter. Kölsch oder Helles sind nur ein müder Abklatsch von gutem Bier.
Ich meine aber ein anderes Wort, was ich auch wesentlich stärker mit dem Gefühl und der Sehnsucht nach Heimat verbinde. Erst wenn ich dieses Wort höre, weiss ich, ich bin zu hause. Hier sind Menschen, die mich verstehen und mit denen ich die meiste Zeit auf einer Wellenlänge bin.
Es gibt einfach kein schöneres Wort als Moin!
Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Es passt immer. Man kann durch diese vier Buchstaben ganze Romane ausdrücken oder eben Gefühle. Manchmal braucht es kein „Ich liebe dich!“ Manchmal reicht ein einfaches „Moin!“.
Oder auch an der Theke, wenn man seinen Gedanken nachhängen will, bei einem Bier und nicht gestört werden möchte, reicht es, dem neuen Nachbarn, der gerade gekommen ist, einfach ein Moin zu entgegnen und er weiss, hier kämpft einer in seiner Seele mit dem Weltschmerz.
So ist es, dieses Moin. Du kannst alles mit ihm ausdrücken, nur eines nicht, denn ein Wort für den Abschied ist es nicht. Aber dafür gibt es ja immer noch Tschüss!

Urheberrecht

Posted in Gute Nacht da draussen, Hohlbirnen with tags , on 10/05/2012 by elchfarmer

Und weiter gehts in der elenden Diskussion, in der vieles aneinander vorbei erzählt wird.

Auch wenn sich „Kreative“ dagegen wehren und sogar ein stärkeres Urheberrecht fordern, wie hier.

Es muss sich was ändern. Und zwar muss es aufgeweicht werden. Gestern wurde dazu das schlechteste Argument überhaupt gegen diese Position in einer kurzen Diskussion geäußert. Nach diesem Argument habe ich die Diskussion von mir aus abgebrochen.

Ich hatte die Surrealität der momentanen Regelung an einem Beispiel aufgezeigt.

Lieder, die Jopie Heesters 1940! gesungen hat, sind erst nach 2082! gemeinfrei. Nach über 140 Jahren.

Das Gegenargument dazu war: Aber die Erben müssen doch noch was verdienen!

 

Ja, warum müssen die Erben von Heesters noch etwas daran verdienen? Jopie hat 1940 für seinen Auftritt Geld bekommen, denn es ist sein Beruf zu singen. Nach dem er Geld für seinen Auftritt bekommen hat, wurde eine Aufnahme veröffentlicht. Jopie hat von jeder verkauften Aufnahme der letzten 72 Jahre jeweils seinen Anteil bekommen. Dieses Geld, sofern er es nicht ausgegeben hat, haben natürlich seine Erben bekommen. Warum sollen Sie jetzt weitere 70 Jahre weiter verdienen?

Ohne große Rechnungen und Relationen der Kaufkraft etc. zu bemühen, rechnen wir mal kurz durch: Sagen wir Jopie hat für den Auftritt 5€ bekommen. Pro Jahr hat er dann bis zu seinem Tod vielleicht ebenfalls 5€ an Tantiemen an diesem Lied verdient. Macht grob 350€. Ein großartiger Stundenlohn.

Warum müssen dann seine Erben noch etwas verdienen, für dass Sie nichts können?

 

Warum bekommen die Erben eines Installateurs nicht noch 70 Jahre nach dem Tod des Installateurs Geld? Schliesslich funktionieren die Leitungen mehr oder weniger immer noch nach 100 Jahren. Wo liegt da der Unterschied, dass Erben von Kreativen mehr Rechte haben, als Erben von Installateuren?

Und warum bekommt der Installateur nicht pro Jahr eine Vergütung für die Nutzung der Leitungen, die er verlegt hat?

Beide haben Arbeit geleistet, beides wird weiterhin von anderen Menschen genutzt. Wo liegt der Unterschied?

 

Quiz die Vierte!

Posted in Einer geht noch, Gourmet with tags on 31/03/2012 by elchfarmer

Da beim letzten Mal nicht alle Fotos gelöst wurden, kommen die hier heute noch mal wieder.
Zudem gibts ein paar neue Fotos.

Wie immer gilt: Ich möchte wissen, was drauf ist und wo es ist.
Natürlich gibts auch wie immer was zu gewinnen!
Deadline ist diesmal 04.04.2012 18 Uhr.
Ich werde nicht kommentieren, empfehle aber bei den alten Fotos die Kommentare vom letzten Quiz anzusehen, vielleicht finden sich da ja ein paar Tipps.

Viel Erfolg!

Einen Tipp gebe ich noch: Zwei mal geht es um Kaiserliches und zwei mal gibt es eine Verbindung zu Kaiserlichem.

Aufräumtrend

Posted in Auf dem Nachttisch with tags , on 07/10/2011 by elchfarmer

Irgendwie haben mich da einige Freunde etwas angesteckt. Ich werde mich von einigen Büchern trennen. Vielleicht hat ja jemand interesse an einigen Bücher, sie können dann bei mir abgeholt werden:

Khoury, Raymond: The last Templar
Madison, John: Nothing for ungood

Shepard, Sam: Spencer Tracy ist nicht tot

Vance, Jack: Herrscher von Lyonesse
Bradley, Marion: The mists of Avalon
Heinlein, Robert A.: Freitag
Schomburg, Uwe: Der Babyloncode
Jackson, Steve; Livingstone, Ian: Die Masken von Mayhem
Hohlbein, Wolfgang: Drachenfeuer
Preston, Douglas; Child, Lincoln: The wheel of darkness
Nicholls, Stan: Die Orks
King, Stephen: The Stand
Mütter, Bernd; Uffelmann, Uwe; Regionale Identität im vereinten Deutschland

Keith, William H.: Operation Excalibur
Keith, William H.: Pflichtübung
Stackpole, Michael: Abgefeimte Pläne
Stackpole, Michael: Natürliche Auslese
Milan, Victor: Der schwarze Drache
Pardoe, Blaine: Der Vater der Dinge
Long, James D.: Stahlgladiatoren
Kubasik, Chris: Das Anlitz des Krieges